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Von
Zwergen und Heimatvertriebenen
Geschichte:
Sonderausstellungen stoßen beim Leeheimer Museumsfest auf großes
Interesse – Neue Zelte gestiftet
LEEHEIM. Mit
einem Symposium über Gartenzwerge in der Darmstädter Georg-Büchner-Buchhandlung
fing 1986 alles an. Als kurz darauf im Fernsehen die erste
Gartenzwergauktion der Welt angekündigt wurde, fuhr ECHO-Redakteurin Liz
Schuster hin. Von der Auktion in Bayreuth, wo sich 50 Fans aus ganz
Deutschland versammelten, stammt ihr liebstes Stück: 30 Euro kostete der
zwölf Zentimeter große Gartenzwerg, der lässig auf einen Arm gestützt,
die Welt im Liegen betrachtet.
Faule Zwerge
seien rar, betont die Journalistin. Denn in Deutschland seien vor allem
Arbeits- und Musikzwerge gefragt. „Den würde ich nie hergeben“, sagt
Liz Schuster über ihre erste Erwerbung. Bis heute hat sie 80 weitere der
klassischen Figuren aus Ton und Porzellan gesammelt – vorzugsweise alte
Zwerge aus den fünfziger Jahren oder älter. Ihr ältestes Stück ist
auch das Wertvollste: Der Ton-Zwerg in zarten Erdfarben von 1920 mit
lindgrüner Hose, beiger Mütze und einem Füllhorn ist untypisch für
seine Artgenossen. Durchgesetzt haben sich später die roten Mützenträger.
Mit ihren
Zwergen war Liz Schuster am Sonntag zu Gast beim Museumsfest des Heimat-
und Geschichtsvereins in der Backhausstraße. Den Kontakt hatte die langjährige
ECHO-Mitarbeiterin und Schriftführerin des Vereins, Eva Schween,
vermittelt. Viele der Besucher blieben stehen, um die Wichtel genauer zu
betrachten und zu fragen. Für Diskussionsstoff sorgte „Nachbars
Opfer“, ein in den neunziger Jahren geschaffener toter Zwerg mit einem
Messer im Rücken. Er entstand als Reaktion auf ein Gerichtsurteil, mit
dem eine Frau dem Nachbarn untersagen ließ, Gartenzwerge in der
gemeinsamen Wohnanlage aufzustellen. Wer wollte, konnte sich auch über
die Geschichte der Zwergenherstellung informieren.
Als Wiege
gelten die Terrakotta-Fabriken von Philipp Griebel und August und Ernst
Heissner in Gräfenroda, Ende des 19. Jahrhunderts. Der Boom kam jedoch
erst in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. „Gartenzwerge
standen für Fleiß und Wiederaufbau und erfüllten die Sehnsucht nach
Frieden“, erläutert Liz Schuster.
Mit der
Nachkriegszeit beschäftigte sich auch die zweite Sonderausstellung des
Museumsfestes: Der Ehrenvorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins,
Heinrich Bonn, hatte detaillierte Informationen zur Integration der
Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vor 60 Jahren
in Leeheim zusammengestellt. Wie enorm diese Aufgabe damals war, lassen
die Zahlen erahnen: Den 1200 bis 1300 Leeheimern wurden fast 600 Flüchtlinge
zugewiesen. Aus dem Sammellager in Sandbach im Odenwald wurden die
Menschen mit Lastwagen ins Ried gebracht. Als Notunterkunft diente die
Schule.
Der Kreisflüchtlingskommissar
beschlagnahmte Wohnraum; die Bürgermeister waren für die Unterbringung
verantwortlich. Von den 574 Neubürgern stammten 385 aus Gebieten in der
heutigen Tschechei und Slowakei; 95 kamen aus Schlesien, 44 aus West-, 26
aus Ostpreußen. Die ersten Transporte kamen im März 1946 aus der Region
um Prag. Etliche Familien aus Schlesien hätten mit Pferden und Wagen auf
einen Neuanfang als Landwirte gehofft. Dies sei aber den wenigsten
gelungen, erläuterte Bonn. Sie fanden anderweitig Arbeit. Viele bauten später
in Eigenhilfe neue Wohnhäuser. Alt- und Neubürger kamen sich allmählich
näher.
Begonnen
hatte das Museumsfest morgens mit einem Gottesdienst von Pfarrer Jürgen
Bode. Etwa hundert Gläubige hatten sich bei sommerlichen Temperaturen
unter den neuen Zelten im Innenhof versammelt. Diese habe die
Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiese am Gänsklauer gestiftet, erläuterte
Vorsitzender Ludwig Jung vom Heimat- und Geschichtsverein. Mittags wurde
es noch voller; der Rollbraten war bald ausverkauft. Würstchen und Salate
trösteten darüber hinweg. Zu Kaffee und Kuchen gab nachmittags der
Gesangverein Leeheim Kostproben aus seinem reichen Repertoire.
mam
18.7.2006

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Bilder/Veranstaltungen/2006
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