Viele Ideen für mehr Attraktivität

Heimat- und Geschichtsverein - Im Leeheimer Museum hat sich einiges getan - Ludwig Jung zieht positive Jahresbilanz

LEEHEIM. Mehr als zufrieden mit dem vergangenen Jahr zeigte sich bei der Hauptversammlung des 348 Mitglieder zählenden Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) Vorsitzender Ludwig Jung. Die Arbeiten am Museumsanbau seien abgeschlossen, ebenso der Umbau des alten Büros. Das neue Büro, so Jung weiter, ist seit Mitte 2004 in Betrieb. Ins Dachgeschoss zieht nun das Gemeindearchiv ein. Die Dauerausstellung im Wohnhaus habe in einigen Räumen verbessert und die Museumsküche mit Hilfe des Landfrauenvereins und eines Sponsors mit einem modernen Küchenblock ausgestattet werden können. Neben der allgemeinen Museumsarbeit habe er für den gesamten Neu- und Umbau bis jetzt 4120 ehrenamtlich erbrachte Arbeitsstunden gezählt. In diesem Jahr werde noch der Eingangsbereich und der Versammlungsraum renoviert.

In der Familienforschung hat Wolfgang Siebert inzwischen die Kirchenbücher von 1611 bis fast 1870 übertragen und mehr als 11000 Personen sowie rund 3000 Familien erfasst. Im Bildarchiv habe Rudolf Bonn bisher mehr als 8200 Bilder aufgenommen. In diesem Zusammenhang rief Jung die Leeheimer dazu auf, dem Museum weiterhin Bildmaterial und andere Exponate zur Verfügung zu stellen. Unermüdlich sei auch Ehrenvorsitzender Heinrich Bonn mit dem Gemeindearchiv und zusammen mit seiner Frau Greta mit dem Zeitungsarchiv beschäftigt.

Durch die Bauarbeiten haben laut Jungs Rückschau die allgemeinen Museumsaufgaben zwar gelitten; dennoch könnten sich die Veranstaltungen und die mehr als 500 im Gästebuch eingetragenen Besucher sehen lassen.

Anerkennende Worte für die Arbeit des HGV fanden auch Bürgermeisterkandidat Matthias Bunk und Bauausschussvorsitzender Matthias Thurn. Dieser wies nicht nur auf den Erhalt unersetzlicher Werte, sondern auch auf die handwerkliche und pädagogische Arbeit des Vereins hin und versprach, sich weiterhin für den HGV einzusetzen.

Jung nannte an Terminen für das laufende Jahr das Museumsfest mit Schlachtessen am Samstag (5.) und den für den Mittwoch (23.) vorgesehenen Vortragsabend zur Einnahme Leeheims durch die amerikanischen Streitkräfte vor 60 Jahren. Außer Heinrich Bonn werden an diesem Abend weitere Zeitzeugen zu Wort kommen. Museumsfest wird am 17. Juli sein, der Tagesausflug ist für 27. August geplant. Das Wohin steht noch nicht fest.

Ideen, das Museum noch attraktiver zu gestalteten, gebe es viele, sagte Jung. Dem Museum sei zum Beispiel eine komplette Transmission (Vorrichtung zur Kraftübertragung von einem Antriebssystem auf mehrere Maschinen) angeboten worden. Dafür müsse erst Platz geschaffen werden. Vorrang habe nun aber die Vorbereitung der Ausstellungen zu „75 Jahre Leeheimer Feuerwehr" und „20 Jahre Obst- und Gartenbauverein". Eine Zeit raubende Aufgabe wird auch sein, geeignete Fotos für den geplanten zweiten Band „Leeheim - Bilder aus vergangener Zeit" aus dem Bildarchiv auszuwählen. evs

Unser Museumstag mit Schlachtessen war hervorragend besucht. Etliche Besucher wollten außer unserem guten Essen und Trinken auch das Museum besichtigen. Schon um 14.00 Uhr waren wir total ausverkauft. Alle Bürgermeisterkandidaten haben uns mit ihren Delegationen besucht. Der jetzige Amtsinhaber hat mir das folgende Bild mit Text per eMail geschickt!

Hallo Ludwig,

anbei ein Bild vom Schlachtfest aus der Küche.

Es war schön heute morgen, ich hoffe ihr hattet einen guten Zuspruch,

viele Grüße

Gerald Kummer

Von Zwergen und Heimatvertriebenen

Geschichte: Sonderausstellungen stoßen beim Leeheimer Museumsfest auf großes Interesse – Neue Zelte gestiftet

LEEHEIM. Mit einem Symposium über Gartenzwerge in der Darmstädter Georg-Büchner-Buchhandlung fing 1986 alles an. Als kurz darauf im Fernsehen die erste Gartenzwergauktion der Welt angekündigt wurde, fuhr ECHO-Redakteurin Liz Schuster hin. Von der Auktion in Bayreuth, wo sich 50 Fans aus ganz Deutschland versammelten, stammt ihr liebstes Stück: 30 Euro kostete der zwölf Zentimeter große Gartenzwerg, der lässig auf einen Arm gestützt, die Welt im Liegen betrachtet.

Faule Zwerge seien rar, betont die Journalistin. Denn in Deutschland seien vor allem Arbeits- und Musikzwerge gefragt. „Den würde ich nie hergeben“, sagt Liz Schuster über ihre erste Erwerbung. Bis heute hat sie 80 weitere der klassischen Figuren aus Ton und Porzellan gesammelt – vorzugsweise alte Zwerge aus den fünfziger Jahren oder älter. Ihr ältestes Stück ist auch das Wertvollste: Der Ton-Zwerg in zarten Erdfarben von 1920 mit lindgrüner Hose, beiger Mütze und einem Füllhorn ist untypisch für seine Artgenossen. Durchgesetzt haben sich später die roten Mützenträger.

Mit ihren Zwergen war Liz Schuster am Sonntag zu Gast beim Museumsfest des Heimat- und Geschichtsvereins in der Backhausstraße. Den Kontakt hatte die langjährige ECHO-Mitarbeiterin und Schriftführerin des Vereins, Eva Schween, vermittelt. Viele der Besucher blieben stehen, um die Wichtel genauer zu betrachten und zu fragen. Für Diskussionsstoff sorgte „Nachbars Opfer“, ein in den neunziger Jahren geschaffener toter Zwerg mit einem Messer im Rücken. Er entstand als Reaktion auf ein Gerichtsurteil, mit dem eine Frau dem Nachbarn untersagen ließ, Gartenzwerge in der gemeinsamen Wohnanlage aufzustellen. Wer wollte, konnte sich auch über die Geschichte der Zwergenherstellung informieren.

Als Wiege gelten die Terrakotta-Fabriken von Philipp Griebel und August und Ernst Heissner in Gräfenroda, Ende des 19. Jahrhunderts. Der Boom kam jedoch erst in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. „Gartenzwerge standen für Fleiß und Wiederaufbau und erfüllten die Sehnsucht nach Frieden“, erläutert Liz Schuster.

Mit der Nachkriegszeit beschäftigte sich auch die zweite Sonderausstellung des Museumsfestes: Der Ehrenvorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Heinrich Bonn, hatte detaillierte Informationen zur Integration der Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vor 60 Jahren in Leeheim zusammengestellt. Wie enorm diese Aufgabe damals war, lassen die Zahlen erahnen: Den 1200 bis 1300 Leeheimern wurden fast 600 Flüchtlinge zugewiesen. Aus dem Sammellager in Sandbach im Odenwald wurden die Menschen mit Lastwagen ins Ried gebracht. Als Notunterkunft diente die Schule.

Der Kreisflüchtlingskommissar beschlagnahmte Wohnraum; die Bürgermeister waren für die Unterbringung verantwortlich. Von den 574 Neubürgern stammten 385 aus Gebieten in der heutigen Tschechei und Slowakei; 95 kamen aus Schlesien, 44 aus West-, 26 aus Ostpreußen. Die ersten Transporte kamen im März 1946 aus der Region um Prag. Etliche Familien aus Schlesien hätten mit Pferden und Wagen auf einen Neuanfang als Landwirte gehofft. Dies sei aber den wenigsten gelungen, erläuterte Bonn. Sie fanden anderweitig Arbeit. Viele bauten später in Eigenhilfe neue Wohnhäuser. Alt- und Neubürger kamen sich allmählich näher.

Begonnen hatte das Museumsfest morgens mit einem Gottesdienst von Pfarrer Jürgen Bode. Etwa hundert Gläubige hatten sich bei sommerlichen Temperaturen unter den neuen Zelten im Innenhof versammelt. Diese habe die Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiese am Gänsklauer gestiftet, erläuterte Vorsitzender Ludwig Jung vom Heimat- und Geschichtsverein. Mittags wurde es noch voller; der Rollbraten war bald ausverkauft. Würstchen und Salate trösteten darüber hinweg. Zu Kaffee und Kuchen gab nachmittags der Gesangverein Leeheim Kostproben aus seinem reichen Repertoire.

mam
18.7.2006


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