Verbrannte Erde, Widerstand sinnlos

Lesung - Albert Geipert stellt in Leeheim sein Buch „... doch der Rhein floss weiter" vor

LEEHEIM. „1933 bis 1945 - doch der Rhein floss weiter" hieß am Montag ein Vortragsabends, zu dem der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Ludwig Jung, einige interessierte Leeheimer im Heimatmuseum willkommen hieß.
Albert Geipert aus Biebesheim war zwölf Jahre alt, als amerikanische Panzer am Palmsonntag 1945 auf Biebesheim zu rollten. Ein Zeitungsartikel, in dem die Ereignisse von unklar dargestellt waren, sei der Auslöser gewesen, sich mit dem damaligen Geschehen genauer zu befassen und es schließlich niederzuschreiben, erläuterte der Biebesheimer. Im vergangenen Jahr erschienen seine Erinnerungen unter dem eingangs genannten Titel im Forum Verlag Riedstadt.
Geipert beschäftigte sich zunächst mit dem Kriegsgeschehen im Westen, das allmählich die Ried-Region erfasste, und mit General Patton, der ihn wegen seiner taktischen Fähigkeiten fasziniert. Nach einem Bericht über die damals charakteristischen Ereignisse beiderseits des Rheins zwischen Worms und Mainz ging er ein auf die Kriegsfolgen.
Ein Kapitel des Buches, das Geipert vorlas, befasste sich mit der Gernsheimer Rheinbrücke, die 1939/40 zur Unterstützung des Frankreichfeldzuges errichtet und am 19. März 1945 wieder gesprengt wurde. Auch die bei Gernsheim und Biebesheim am Ufer liegenden Rheinkähne seien damals zerstört worden, um den nachrückenden Alliierten das Vorwärtskommen zu erschweren.
„Verbrannte Erde" zurückzulassen, habe der „Führer" damals befohlen: Weder Brücken, noch industrielle Anlagen und anderes, , womit das deutsche Volk nach einer Niederlage hätte weiterleben können, sollten übrig bleiben. Hitler habe diese Maßnahmen immer wieder angedroht, erläuterte Geipert. Bereits im August 1944 habe er gegenüber Gauleitern erklärt: „Wenn das deutsche Volk in diesem Kampf unterliegt, dann hat es seine Probe vor der Geschichte nicht bestanden und ist daher zu nichts anderem als dem Untergang bestimmt". Lediglich ein Zivilist habe dagegen opponiert: Rüstungsminister Albert Speer habe Hitler eine Denkschrift überreicht, in der es hieß: „Wir müssen alles tun, um dem Volk, wenn auch vielleicht in primitivster Form, bis zuletzt seine Lebensbasis zu erhalten..."
Ein Geheimbefehl von Gauleiter Jakob Sprenger war laut Geipert ein Beispiel dafür, wie gegen Kriegsende regiert worden sei. Unter anderem beinhalte er die Aufforderung: „Werden Volksgenossen festgestellt, die verbreiten, dass der Krieg für uns verloren ist, und wenn wir kurz davor stehen, so ist mit allen Mitteln diesem Gerücht entgegen zu arbeiten... Ich gebe hiermit den Befehl, Volksgenossen, die sich bei Annäherung des Feindes nicht verteidigen oder die Flucht ergreifen wollen, rücksichtslos mit der Waffe niederzuschießen oder, wenn es angebracht ist, zur Abschreckung der Bevölkerung mit den Strang hinzurichten." Vor diesem Hintergrund seien auch die von Geipert ausführlich behandelten „Kornsand-Morde" - vom 21. März 1945 zu sehen.
Eine lebhafte Diskussion, gespickt mit Erlebnisberichten der Zuhörer, entspann sich nach Geiperts Schilderung von der Rheinüberquerung der Alliierten und der Besetzung der Siedlungen und Dörfer im Ried. HGV-Ehrenvorsitzender Heinrich Bonn erbot sich auf Leeheimer Ereignisse jener Zeit bei einer gesonderten Veranstaltung einzugehen.      evs

DAS BUCH

Albert Geipert; "1933-1945, doch der Rhein floss weiter", 191 Seiten, zahlreiche Abbildungen; Forum Verlag Riedstadt, 19,80 Euro.

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