Die Schwedensäule in der Erfelder Gemarkung hat sich der Heimat- und Geschichtsverein für den Silvesterrundgang am Samstag, den 30. Dezember 2006 als Ziel auserkoren. Trotz der länger als sonst üblichen Wegstrecke waren wieder mehr als 70 Wanderer als Leeheim, diesmal sogar auch aus Dornheim und anderen Riedstädter Ortsteilen dem Aufruf der Organisatoren gefolgt.

Nach einem etwa 75-minütigen Marsch informierte der Vorsitzende Ludwig Jung vor Ort über die Geschichte der Schwedensäule, ehe die sich dort an wärmenden Getränken labenden Wanderer schließlich gegen 12.30 Uhr nach rund 2,5 reiner Laufzeit zum deftigen Eintopf im Heimatmuseum  einkehrten.

Am 11. Dezember 1631, zitierte Jung aus den Archivaufzeichnungen von Lehrer Weiß aus dem Leeheimer Heimatmuseum, sei der schwedische König von Frankfurt über Langen, Griesheim und Crumstadt nach Gernsheim gekommen. Dort habe er für die Überquerung des Rheins die schwächste Stelle in der Verteidigungsstelle der Festung Mainz vermutet. Die großen Windungen des damals noch nicht begradigten Rheins, die vorgesprungenen Halbinseln und die darauf gewachsenen Weiden hätten ihm so manchen Vorteil für sein Vorhaben geboten. Allerdings sei das linksrheinische Ufer der im Dienste des Kurfürsten der Pfalz  gestandenen spanischen Soldaten stark bewacht worden. Eine weitere starke Wehrmacht sei in Oppenheim zusammen gezogen und die am rechten Rheinufer, Oppenheim gegenüber gelegene Sternschanze habe eine Überquerung ebenso nahezu unmöglich gemacht. Alle Wasserfahrzeuge seien von der rechten auf die linke Rheinseite geschafft und entweder in der Nähe von Oppenheim gesammelt oder verbrannt worden.

Den Vorschlag eines Niersteiner Schiffers befolgend habe der  Schwedenkönig Scheunentore aus Erfelden auf Schiffe nageln lassen. Damit habe er am 17. Dezember 1631, also vor 375 Jahren, eine halbe Stunde westlich von Erfelden etwa in der Höhe des heutigen Standortes der Schwedensäule Standortes übergesetzt. Gleichzeitig seien bei Gernsheim etwa 300 Mannschaften in einem Kahn, den die Spanier dort versenkt, von den Schwe4den aber wieder gehoben worden war an das linke Ufer. Nach schweren Kämpfen sei es den beiden Teilen gelungen sich zu vereinigen und die Spanier nieder zu ringen. Auch die Sternschanze sei an diesem Abend noch in schwedische Hände gefallen.

Der Ort, an dem am Vormittag der Kampf ausgetragen wurde, zählt heute zum Kühkopf. Eine Wiese dort führt noch jetzt den Namen Schwedenkirchhof.

Zur Erinnerung an diesen siegreichen Rheinübergang habe der Schwedenkönig noch zu seinen Lebzeiten diese Gedenksäule errichten lassen, führte Jung weiter aus. Sie besteht aus einem sieben Meter hohen Obelisken aus Sandsteinplatten, auf dessen Spitze ein Löwe aufrecht sitzend, den Blick nach Westen gerichtet und sein eisernes Schwert über den Rhein zeigend. Der insgesamt etwa zwölf Meter hohe Obelisk steht auf vier Steinkugeln, die auf einem 2,5 Meter hohen Fußgestell ruhen. Früher soll nach Überlieferung folgende Inschrift an der Säule gestanden haben: „Piramis in memoriam Rheni trajectus“ (Pyramide zum Andenken an den Rheinübergang.

Nach einem Merianischen Stich führten nicht drei sondern fünf Stufen zum Denkmal. Es war also ursprünglich höher, oder zumindest höher geplant. Auch trägt dort der Löwe das Schwert auf der Schulter. Angeblich, so merkte Jung an, sollen die Feinde das Denkmal später „umgeworfen und vernichtet“ haben. Nach einem anderen Bericht sollen kaiserliche Offiziere den Löwen das Schwert mittels Stangen und einer langen Leiter aus den Klauen gerissen haben.  Die Schwedensäule sei im Laufe der Jahrhunderte wegen der „Bodenunterwühlung des fressenden Rheins“, wie es an einer Stelle heiße, dreimal landeinwärts versetzt worden.  Seit dem Rheindurchstich am Geyer, bei dem der Neurhein entstand und der Kühkopf zur Insel wurde, sei das nicht mehr nötig geworden. Auch sei das Denkmal jetzt auch durch den Damm geschützt.

Für weitere und möglicherweise detailliertere Unterlagen zum Rheinübergang des Schwedenkönigs verwies Jung an das Erfelder Heimatmuseum.

Eine Nachbildung der Siegesmedaille mit Bildnis von Gustav Adolf von Schweden überreichte der Heimatforscher Helmut Kleinböhl dort dem Vorsitzenden des Leeheimer Heimat- und Geschichtsvereins Ludwig Jung zur Erinnerung. 

[Homepage HGL-Leeheim]